Solidarität – Alternative Lehre im Wintersemester 2021/2022

Das aktuelle Angebot zum Thema Solidarität findet ihr jeweils in MyStudy unter „Zusätzliche Angebote“. Ein Einstieg ist jederzeit im Laufe des Semesters möglich. Die Anmeldung in MyStudy hilft den Lehrenden bei der Planung und um mit euch in Kontakt zu treten – ist aber keine Pflicht.

Alle Titel und Kurzbeschreibungen auch hier:

  • Lucács Lesen: Die Veranstaltung verfolgt das Ziel, im Rahmen eines Lesekreises (Treffen alle zwei Wochen) den Gründungsmomenten des westlichen Marxismus nachzugehen. Dafür soll der Essayband von Georg Lukács „Geschichte und Klassenbewusstsein“ (1923) dienen, welcher wohl als herausragender Initialmoment für eine breite Diskussion der Marx’schen Theorie und dessen Weiterentwicklung gelten kann. Insbesondere bei der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der 68er Bewegung mit Rudi Dutschke, aber auch als negativer Bezugspunkt einer ‚humanistischen Position‘ des Marxismus in Frankreich, wurde Lukács Herausarbeitung einer ‚Psychologie des Proletariats‘ weit rezipiert. Der heute der postkolonialen Theorie zugeordnete Marxist Frantz Fanon sowie der Gründer postkolonialer Theorie Edward Said waren entschieden von Lukács geprägt. So sind Lukács Theoreme auch zentral für die Befreiungsbewegung im globalen Süden geworden. Überhaupt ist das von Lukács entworfene und sich auf Marx Werttheorie beziehende Verdinglichungs-Theorem aus heutigen Linken Diskursen eigentlich nicht mehr weg zu denken. Gleichwohl gerät Lukács immer mehr in Vergessenheit und seine Theorie wird vielerorts als dogmatische-stalinistische Verwirrung abgetan. Dies mag für einige Perioden Lukács‘ Leben nicht gänzlich falsch sein, dennoch verbietet sein zeitweiliger Dogmatismus eine ernsthafte Auseinandersetzung nicht. Im Gegenteil: der frühe neu-kantianische Lukács, der mittlere bis späte hegel-marxistische Lukács und der zeitweilige Partei-Funktionär Lukács, reflektiert als Zeitgenosse die gewaltigen Umwälzungsbewegungen des 20. Jahrhunderts; von der Weimarer Republik über die Weltkriege und die sozialen Revolutionen verwebt Lukács diese einschlägigen und bis heute prägenden Ereignisse symptomatisch in sein Werk. Wenn es heute um die Frage der Solidarität gehen soll, so muss eine ernsthafte Auseinandersetzung, die Solidarität als ‚Tugend‘ und emphatische Kategorie der Arbeiterklasse verstehen will, eben bei Lukács ansetzen und seine impliziten wie expliziten Deutungen dieses Begriffs seiner Zeit gemäß für heutige Debatten erneut befragen.

  • Solidarität ist in Danzig geboren: Solidarność wurde aus einer Streikbewegung 1980 in Danzig heraus geboren. Maßgeblich wirkte die erste unabhängige und freie Gewerkschaft Solidarność an der Revolution und Reform 1989 in Polen mit. Am bekanntesten ist Lech Wałęsa der damals das Streikkomitee führte, später Staatspräsident in Polen wurde mit der Gewerkschaft verbunden.In diesem Seminar wollen wir uns der nahezu friedlichen Revolution in Polen widmen und daraus Schlussfolgerungen für das Heute ziehen. Wie kam es zu dem Aufstand der Werftarbeiter in Danzig, wie war die Gründung der Gewerkschaft, was verband die Streikenden miteinander. Welche Rolle spielt die Gewerkschaft Solidarność heute noch und welche Vergleiche können wir mit Deutschland ziehen.Neben einen allgemeinen Input über die Geschichte vom Werftarbeiteraufstand und Solidarność werden die Teilnehmer:innen dazu angeregt in eigenen Vorträgen hier Themen zu vertiefen. Das Seminar wird begleitet durch entsprechende Literatur zum Selbststudium zwischen den Sitzungen.

  • Marx und Engels: Grundlegung des historischen Materialismus: Das Seminar soll mehrere Funktionen erfüllen: Zunächst soll es Interessierten den Raum bieten, wo sie sich zusammenfinden können, um gemeinsam konzentriert an einem anspruchsvollen theoretischen Text zu arbeiten, der in der kritischen Denktradition bis heute eine zentrale Rolle einnimmt. Das Werk „die deutsche Ideologie“, das im Lesekreis gelesen werden soll, ist nicht nur innerhalb des marxistischen Theoriegebäudes ein tragendes, sondern wirkt bis heute auf die ganze Problemgeschichte der Philosophie. Es nimmt in sich auf und bearbeitet sowohl die ältesten Fragen der Philosophie, wie es spätere Entwicklungen bereits vorwegnimmt. Der damit einhergehende Themenreichtum bietet, wenn erschlossen, einen systematischen Zugang zu einer Vielfalt an Problemstellungen, die noch heute persistent sind und an denen keine radikalen Kritik vorbei kann. Durch das Seminare soll ein bestimmtes Defizit in der Bildung angegangen werden. Die hiesige Universität bietet zwar Seminare, die viele namhafte Kritikerinnen und Kritiker einbezieht, doch ist die Lehrform so gestaltet, dass sie keine ernsthafte, d.h. tiefgehende Auseinandersetzung mit einem Thema gestattet. Dies soll im Rahmen der Alternativen Lehre geschehen.

  • Satire Redaktion. Ziel der Veranstaltung ist es eine gut funktionierende Redaktion zu etablieren, die regelmäßig veröffentlicht (wobei regelmäßig nicht das selbe wie häufig ist). Die Form des Veröffentlichten wird zunächst unter den Teilnehmenden diskutiert und bestimmt ( ob Text, Video oder Hörsaalgangsprosa, alles ist möglich) auch die inhaltliche Form der Auseinandersetzung ist zunächst offen angelegt, soll aber in jedem Fall auch universitäre Kontexte aufgreifen. Das Schlagwort Satire soll eine humoristisch, kritische Position andeuten, (die ich persönlich befürworten würde) aber generell ist alles im Rahmen der Kunstfreiheit möglich, gewünscht und gefordert. Die Veranstaltung soll ein Experimentierfeld darstellen.

  • Gebärdensprache: Ich würde gerne ein besseres Bewusstsein für die Kultur der Gehörlosen schaffen. Ich finde es wichtig, den eigenen Alltag mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es gibt viele Alltagssituation, die für Höhrende selbstverständlich sind, aber für Gehörlose eine große Hürde darstellen, wie zum Beispiel beim Telefonieren oder beim Klingeln der Haustür.Genauso wie in der gesprochenen Sprache gibt es von Land zu Land unterschiedliche Gebärdensprachen. In diesem Kurs werden die Grundlagen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) vermittelt. Ziel des Kurses ist es am Ende des Semesters ein einfaches Gespräch führen zu können und einen Einblick in die Kultur der Gehörlosen gewonnen zu haben. Ich selber lerne seit mehreren Jahren Deutsche Gebärdensprache und hoffe, dass ich euch genauso von der Sprache begeistern kann!