Angebot der Alternativen Lehre im Wintersemester 2022/2023

Das aktuelle Programm der Alternativen Lehre steht! Ihr findet es bei myStudy im Veranstaltungsverzeichnis unter „zusätzliche Angebote (ohne CPs)“ > „Alternative Lehre – AStA“.

Eine Übersicht über die vergangenen Veranstaltungen findet ihr hier.

„Widerstände“

Im aktuellen Semester lautet das Leitthema „Widerstände“, wozu die folgenden Veranstaltungen durchgeführt werden:

Einführung in das Werk von Karl Marx

In der Veranstaltung möchten wir die Entwicklung des Marxschen Denkens nachvollziehen. Dazu sollen Textauszüge aus den verschiedenen Schaffensphasen von Marx zusammen durchgearbeitet und in Beziehung zueinander gestellt werden. Angefangen mit den Schriften des sogenannten „frühen Marx“ wie der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie über Die deutsche Ideologie und das Manifest der kommunistischen Partei, bis hin zum „späten Marx“ des Kapitals, soll die Entwicklung von einem enttäuschten Junghegelianer von der Auseinandersetzung mit Philosophie über Politische Theorie hin zu einer Kritik der Politischen Ökonomie aufgezeigt werden.

Dabei soll ersichtlich werden, wie sein Werk aufeinander aufbaut und warum ihn die Beschäftigung mit Fragen nach der Gestaltung von Gesellschaft zum Primat der Ökonomie geführt hat.

Die Veranstaltung soll sich dabei explizit an Interessierte richten, die bisher noch keine oder wenig Anknüpfungspunkte zur Marxschen Theorie hatten – das schließt besonders auch die neuen Erstsemestler*innen mit ein. Wir wollen dabei zu einer selbstständigen und kritischen Lektüre ermutigen und versuchen, aufzuzeigen, wie Lesekreise als Form des gemeinsamen aber gleichzeitig eigenverantwortlichen Lernens funktionieren können.

Frantz Fanon – Verdammung und Verdinglichung?

Frantz Fanon muss wohl als einer der wichtigsten Autoren für die postkoloniale Theoriebildung gelten. Etwaige Autoren wie Achille Mbembe, Gayatri Chakravorty Spivak, Edward Said, Homi Bhaba, sowie Denker die entfernter dieser theoretischen Ausrichtung zuzurechnen sind, wie Etienne Balibar und Stuart Hall, beziehen sich immer wieder auf Fanon. Mit seiner Radikalität und seinem unerschütterlichen Widerspruch gegen die koloniale Gewalt, gilt er als ein Denker, der die Psychoanalyse und den Marxismus für einen schwarzen Befreiungskampf in das Zentrum seines Denkens rückt.

Vor allem die eingängige Artikulation von Gewalterfahrung und die Transposition derselben hin zu einem dissidenten (nationalen) Kommunismus hat auch bei jüdischen Denkern Beachtung gefunden, was bisher wenig untersucht worden ist. Jüngst hat Nathan Snaider in seinem neuen Buch „Fluchtpunkte der Erinnerung“ (2022) darauf aufmerksam gemacht, dass eine Vielzahl jüdischer Theoretiker darunter Albert Memmi, Hannah Arendt, Claude Lanzamnn und Jean-Améry die Fanonschen Texte ergiebig kommentiert haben.

Dahingehend drängt sich die Frage auf, in welchem Verhältnis eine solche Rezeption ermöglicht wurde und unter welchen Vorzeichen diese stattgefunden hat. Insgesamt ließe sich fragen, was die postkoloniale Rezeption Fanons, von dem der jüdischen Rezeption unterscheidet. Diese Debatte scheint vor allem vor den konstitutiven Widersprüchen interessant zu sein, die eine Antisemitismusforschung mit Bezug auf die Kritische Theorie von einer postkolonialen Theoriebildung trennen. Ohne diese Widersprüche einhegen zu wollen und eine einfache Aufhebung dessen zu vollziehen, wollen wir uns das zentrale Werk von Fanon „Die Verdammten dieser Erde“ (1961) in einem Lesekreis erschließen. Dazu sollen immer wieder Texte der jüdischen Rezeption Fanons eingestreut werden, um sich diese wenig beachtete Perspektive neben der Primärliteratur zu erschließen.

Feministische Außenpolitik – schon längst überfällig

Wie können wir patriarchale Strukturen aufbrechen und Menschenrechte in den Fokus bringen? ,,Feministische Außenpolitik’’ eine politische Theorie die zuerst im Jahr 2014 ihre Implementation in die schwedische Außenpolitik fand. Auch seit 2021 hat sich die Ampel-Koalition menschenrechtsbasierte, also Feministische Außenpolitik auf die Fahnen geschrieben. In dieser Veranstaltung möchten wir eine Einführung in die Thematik bieten, gemeinsam Literatur lesen, und einen freien Raum für Austausch bieten. Dies alles möchten wir mit aktuellen Geschehnissen und Äußerungen von Politiker*innen weltweit verknüpfen.
Zerschlagen wir das Patriarchat, gemeinsam!

History of Women Resistances

The history of feminism is often undervalued. Current resistance of females‘ rights focuses often on current struggles and mistreatment but not on how many efforts already have been put and how the history can help to resist further probably more successfully.

The reading seminar would include 2 dates with the reading of feminist writers from 18th-20th centrury and discussion afterwards.

Performative Annäherung an das Thema Widerstand

Performance-, Tanz-, Kunst-, Begenungs-, Ausdrucksraum um das Thema des Widerstandes, mit all seinen Facetten, über kreative, körperliche, weniger theoretische wege kenne zu lernen und selbst viel Spaß und Freude zu haben und zu lernen.

Resistance in All Fronts – Life Under an Authoritarian State in Making

More and more of us notice the rising of authoritarian states all around the globe and worry that our own democracy would be harmed. But what is life under a rising authoritarian state?
This module would investigate and discuss resistance in all aspects, including elections and voting, but also in terms of right to certain languages and publishing, in the more and more authoritarian city of Hong Kong.

Theorien und Praxis anti-autoritärer Organisierung

In Zeiten von aufkommendem Autoritarismus und einer erstarkenden
gesellschaftlichen Rechten, ist es wichtig sich zu fragen, was mensch dem
entgegenstellen kann? Wie kann ich politisch aktiv sein ohne Staat und Parteien?
In dem Seminar wollen wir gemeinsam verschiedene Organisierungsformen
kennenlernen, die nicht den Staat, Wahlen und Parteien in den Fokus stellen, sondern Selbstorganisierung und gegenseitige Hilfe. Politische Organisierung bewegt sich dabei immer im Spannungsfeld von Individualität und Kollektivität. Antiautoritäre, anarchistische Ideen sind der Versuch beides zu vereinbaren. Im Seminar wollen wir uns diese Perspektiven gemeinsam erschließen und uns darüber austauschen. Was bedeutet das für unseren Alltag und wie wir miteinander leben wollen? Was sind Vor- und Nachteile dieser Organisierungsformen?

Quellen, Ursprünge und Auswirkungen innerer und äußerer Widerstände

In diesem Seminar widmen wir uns den Ursprüngen des Widerstandes und legen damit die Basis für einen transformativen Wandel im Innen und Außen. Mithilfe von praktischen, kreativen und achtsamkeitsbasierten Methoden erkunden wir was, wie und warum innere und äußere Phänomene und Einflüsse Widerstand auslösen bzw. dazu motivieren diesen auszuüben. In sechs, sich mit Reflektionswochen abwechselnden, Seminarterminen beschäftigen wir uns demnach mit Emotionen,
Achtsamkeit, gesellschaftlichen Narrativen, Werten, Bedürfnissen, Visionen und Transformation. Im Austausch miteinander teilen, handeln und wandeln wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen.

Kurz gesagt, widmen wir uns den Fragen: Wer möchte ich (wir) sein? Wie möchte ich (wir zusammen-)leben? Was braucht es, um dort hinzukommen? Inwiefern lassen sich Grenzen zwischen Individuum und Mitwelt aufbrechen? Was (wenn überhaupt) bedeutet dies für den sozial-ökologischen Wandel?

Mit der Brechstange den Aktenschrank bei der Behörde öffnen – Mit dem IFG
nach Auskunft und Dokumente fragen

Jede Person hat das Recht auf Informationen aus Politik und Verwaltung. Das
Portal FragDenStaat hilft dabei, das Recht durchzusetzen. Mit diesem Portal
stellen wir Anfragen nach dem IFG, UIG, VIG und Transparenzgesetzen, um Dokumente
von Behörden zu erhalten.
Wieso ist Informationsfreiheit wichtig?
Weil der Zugang zu Wissen der Bevölkerung die Macht zum informierten und
selbstbestimmten Handeln verleiht. Herrschaftswissen wird zu öffentlichem
Wissen. Informationsfreiheit ist ein Mittel zur Kontrolle politischer Prozesse.
Sie kann Korruption vorbeugen, erhöht die Transparenz und Rechenschaftspflicht
von Politik und Verwaltung. Der freie Informationsfluss durch den Staat stärkt
und belebt die Demokratie, weil er Partizipation möglich macht. Nur wer Einblick
in das Zustandekommen kollektiv verbindlicher Entscheidungen hat, kann diese auch
effektiv beeinflussen – vorausgesetzt, dass dazu passende demokratische Mittel
bereitstehen.
Informationsfreiheit ist ein Thema der sozialen Gerechtigkeit. Informationen
ermöglichen Teilhabe auch für Menschen aus Gruppen, die keine besonderen
Zugänge zu Politik und Verwaltung haben. Informationsfreiheit ist das Recht auf
freien Zugang zu amtlichen Informationen. Sie ist eines der wichtigsten
Grundrechte in der Wissensgesellschaft, das sich aus Artikel 5 des Grundgesetzes
zur Meinungs- und Informationsfreiheit ergibt.
Um fundierte und gleichberechtigte politische Debatten zu ermöglichen, müssen
Politik und Verwaltung offenlegen, welche Informationen ihrem Handeln zugrunde
liegen. Durch derartige Transparenz und frühzeitige Einbindung der Menschen in
Entscheidungen kann Demokratiemüdigkeit, Propaganda und der Bildung von
Parallelgesellschaften entgegengewirkt werden.
Politische Parteien sind dabei schon lange, die Vorstellung des
„Amtsgeheimnisses“ zu ersetzen durch eine Kultur der Transparenz und
Beteiligung. Alle nicht-personenbezogenen Verwaltungsdaten von Land, Kommunen und
Betrieben, die Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahrnehmen, sollen in
einer zentralen Online-Plattform verfügbar gemacht werden. Grundlage hierfür
bieten unter anderem Transparenzgesetze.
Welche Möglichkeiten ergeben sich für Bürger, Journalisten, Zivilgesellschaft
und Unternehmen? Wie profitiert auch Politik und Verwaltung selbst von einer
besseren Übersicht über ihre Daten?
Die Teilnehmer:innen, erkennen wie der Zugang zu diesen Informationen mittels dem
IFG, UIG, VIG und Transparenzgesetzen möglich gemacht wird. Dabei lernen Sie das
Portal FragDenStaat.de kennen, welches erlaubt diese Anfragen zu stellen. Das
Projekt wird von der Open Knowledge Foundation betrieben.
Sonstiges Keine Vorkenntnisse erforderlich. Laptops bitte mitbringen. Die hybride
Teilnahme wird so gut wie möglich nach den technischen Möglichkeiten im Raum
ermöglicht.

Widerstand gegen den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft

1,4 Milliarden Euro fließen aus der gewerblichen Wirtschaft jedes Jahr an
deutsche Hochschulen – das entspricht einem Fünftel aller Drittmittel. Versuchen
Unternehmen damit, Einfluss auf die Wissenschaft zu nehmen? Ist die Freiheit von
Forschung und Lehre in Gefahr? In diesem Workshop findet ein Überblick über
Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft an allen deutschen
Hochschulen statt.
Gesetzlicher Ökonomisierungsdruck und die zunehmende Entkopplung der planbaren
Grundfinanzierung von den zugewiesenen Aufgaben gefährden heute die
verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit der Wissenschaft und ihre
Gemeinwohlorientierung. Der Zwang zur externen Geldbeschaffung in Verbindung mit
Stärkung und Hierarchisierung der Institutionen und systematischer
Marginalisierung der demokratischen Selbstverwaltung bei gleichzeitigem Rückzug
der Aufsichtsbehörden aus Fach- und Rechtsaufsicht führen zu Intransparenz und
Korruptionsgeneigtheit und gefährdet die Eigengesetzlichkeit der Wissenschaft.
Im Namen ihrer eigenen, institutionellen Wissenschaftsfreiheit beschneiden heute
die Entscheidungsträger unternehmensförmiger Wissenschaftsinstitutionen
zunehmend selbst die grundgesetzlich zugesicherten Freiheitsrechte ihrer
Wissenschaftler.
Eine unabhängige Wissenschaft ist ein zentrales Merkmal einer freien
Gesellschaft. Wir brauchen sie, um demokratische Prozesse kritisch zu begleiten.
Wenn aber Akteure außerhalb der Hochschule über die Inhalte von Forschung und
Lehre mitentscheiden, ist die Unabhängigkeit der Wissenschaft in Gefahr.
Mit Hochschulwatch.de wollen wir eine Debatte über Einflussnahme von Unternehmen
auf Hochschulen anstoßen. Die Daten und Recherchen liefern dafür die Grundlage
und sollen langfristig zu mehr Transparenz in der Wissenschaft führen.