Konzertreihe „Schatztruhe“: Kulturförderung im Angesicht des Internets


lautlebenLautleben unterstützt die Veranstaltungsreihe Schatztruhe. Was die Veranstaltungsreihe so unterstütztenswert macht, erzählt Lukas von Orginalton hier für euch.

Das Internet – unendliche Weiten. Unendliche Weiten gefüllt mit Musik von den verschiedensten Künstlern und Bands, verstreut über die verschiedensten Web2.0- Portale und Streaming-Dienste. Ein Großteil dieser Musik ist – denn das wird mittlerweile erwartet – kostenfrei verfügbar. Werbeclips und die geringere Klangqualität werden dankend in Kauf genommen. Zwar lieben wir das Internet auf der einen Seite alle dafür , dass es uns die Möglichkeit gibt, unendlich viel Musik zu entdecken und zu hören, das unendliche Angebot erschwert es neuen, unbekannten Bands auf der anderen Seite jedoch sehr, sich zu etablieren und aus der Masse herauszustechen. Besonders, wenn das Geld und/oder die Schamlosigkeit fehlt, Likes zu kaufen und Facebook für gezielte Werbung zu bezahlen.

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Die studentische Initiative „Originalton Lüneburg“ hat sich mit der Konzertreihe „Schatztruhe“ genau diesem Problem angenommen. Unbekannten, talentierten Künstler*innen wird einmal im Monat im Asta-Wohnzimmer eine Plattform geboten, um einem begeisterungsfähigen Publikum ihre Musik zu präsentieren und neue Fans zu gewinnen. Ein Live-Auftritt wird dem Publikum sicherlich nachhaltiger in Erinnerung bleiben als ein flüchtig angehörter Song aus dem Internet. Die persönliche Weiterempfehlung eines überzeugten Konzertbesuchers ist um einiges wertvoller als eine algorithmische Empfehlung von Spotify.
Der Besuch der Schatztruhen-Konzerte ist kostenlos. Konzertbesucher haben also ,wie im Internet, die Möglichkeit, kostenlos neue Musik zu entdecken. Anders als im Internet aber, soll dies das Wertverständnis von Musik nicht mindern. Die wenigsten würden Eintritt für eine Band zahlen, die sie nicht kennen. Durch den kostenlosen Eintritt entfällt diese Barriere und musikinteressierte Menschen können sich bei den Konzerten ganz ungezwungen und offen von den Künstlern überraschen lassen. Anschließend zahlen sie den Betrag, der ihnen das Konzert wert war oder den das Budget gerade erlaubt. Der wesentliche Unterschied zum kostenlosen Musikhören im Internet ist, dass ein Konzert Musik als Arbeit, als Leistung, die einen Wert hat und haben sollte, klar hervorhebt. Die gemütlichen
Räumlichkeiten des AStA-Wohnzimmers sorgen häufig für eine sehr persönliche Beziehung zwischen Band und Publikum. Das Publikum tritt in Kontakt mit den Menschen hinter der Musik, die im Zweifelsfall versuchen, sich von dem, was sie dort auf der Bühne machen, zu ernähren. Ein Zusammenhang, der beim Musikhören im Internet häufig entkoppelt ist. Die wenigsten hören sich Musik kostenlos im Stream an und zahlen anschließend Geld für einen Download oder einen physischen Tonträger. Nach einem Live-Konzert aber, bei dem man aufmerksam zuhört und sich nicht durch die Lieder klicken kann, bei dem man sieht, wie die Musik entsteht, hat man viel eher das Gefühl, etwas wertvolles gesehen und vor allem gehört zu haben.
Die Konzertreihe läuft nun bereits im zweiten Jahr und hat bereits für viele gute Konzerte und zufriedene Gemüter sowohl auf Seiten der Künstler als auch auf Seiten des Publikums gesorgt. Nicht nur verfehlt es den Sinn des Konzepts, es ist schlicht nicht möglich, aus solchen Konzerten einen finanziellen Nutzen zu ziehen. Um Künstlern eine Bühne zu bieten, benötigt man leider nicht nur die Bühne. Bei jedem Konzert fallen Kosten an (z.B. Technik, Catering, Transport), die vielen auf dem ersten Blick verborgen bleiben. Deshalb ist die Umsetzung des Projekts „Schatztruhe“ nur durch die Finanzierung des StuPas, des Kulturreferats, des PlanBs, der Fachschaft Kulturwissenschaften sowie der Sparkassenstiftung und durch die ehrenamtliche Arbeit des Originalton Lüneburg möglich. Durch Unterstützung studentischer Einrichtungen und ehrenamtliches Engagement schafft das Projekt „Schatztruhe“ die Verbindung der Barrierefreiheit und Ungezwungenheit des Musikhörens im Internet mit der Wertigkeit und Nachhaltigkeit eines Konzerterlebnisses und bietet Künstler*innen eine Platform, jenseits ihrer SocialMedia-Accounts auf sich aufmerksam zu machen.

Lukas Iden (Originalton)


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