Das Asylbewerber_Innenheim im Meisterweg

Das Lager im Meisterweg ist das einzige Asylbewer_Innenberheim in Lüneburg; gebaut wurde es vor nunmehr 12 Jahren. Offiziell trägt es den schönen Namen "Internationales Haus Meisterweg". Das Lager beherbergt zur Zeit 84 Menschen mit unterschiedlicher Herfunft (davon etwa 26 Kinder). Ihr Aufenthalt in Deutschland ist bei den meisten (vorerst) begrenzt. Sie hoffen und warten hier auf die Genehmigung ihres Antrages auf Asyl oder darauf, dass sie ihre Rückkehr in das eigene Heimatland antreten können, ohne sich dabei in Gefahr zu begeben. Ihnen droht jedoch jederzeit die Abschiebung. Teilweise dauert dieser Zustand jahrelang an.
Fährt Mensch vom Bahnhof in östlicher Richtung stadtauswärts, kreuzt dieser irgendwann den Meisterweg. Nach einer Schlaufe und ein paar weiteren Metern tauchen auf der linken Seite zwei Wohncontainer auf. Das Gelände ist von einem hohen Stacheldrahtzaun umgeben, das Wachthäuschen am Eingang der Zauntore verdeutlicht die künstlich geschaffene Grenze.
Schnell wird klar, dass gesonderte Wohnbedingungen für die Bewohner_Innen dieser „Container“ gelten. Auf wenigen Quadratmetern leben vielköpfige Familien, welche sich eine winzige Küchenzeile (ohne Abzug), teilen. Im Flur außerhalb der einzelnen Wohneinheiten ist es feucht, dunkel und stickig. Gemeinschaftsbadezimmer und WC weisen einen kaum erträglichen Zustand auf. In Einigen gibt es keine Duschwannen, so dass sich das Wasser über den Flur einen Weg ins Freie sucht. Weitere Räumlichkeiten gibt es nicht.
Neben der katastrophalen Wohnsituation haben die Bewohner_Innen jedoch auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Ohne Aufenthaltsgenehmigung haben sie nicht das Recht zu arbeiten. Ohne Arbeitserlaubnis verbringen die Menschen ihren Alltag ohne jegliche Abwechslung und Austausch mit der Welt außerhalb des Heims. Monatelang, manchmal jahrelang. Durch viele Sonderregelungen (z.B. das Gutscheinsystem) und Gesetze (z.B. Residenzpflicht) wird das Leben von Migrant_Innen in Deutschland erschwert. Bei jedem Behördengang, bei jedem Einkauf, beim alltäglichen Leben im Asylbewerberheim – überall bekommen sie zu spüren, dass sie nicht willkommen sind und als Menschen zweiter Klasse behandelt werden.
Häufig sind psychische oder psychosomatische Erkrankungen die Folge. Nahezu bei allen Flüchtlingen kommen Mut- und Perspektivlosigkeit hinzu. „Aus unseren Heimatländern sind wir geflohen, weil dort Krieg herrscht oder wir politische Probleme hatten – und hier in Deutschland sind wir weniger Wert als andere“, schrieb uns ein Bewohner aus dem Meisterwegs. „Warum sollen wir Deutsch lernen?“, sagt die Nachberin einer Bewohnerin, mit der wir gesprochen haben. „Meine Duldung läuft nur sechs Monate. Ich kann jederzeit abgeschoben werden. Ich weiß ja nicht, wo ich in Zukunft sein werde“.
Die medizinische Versorgungslage ist denkbar schlecht. Ohne Aufenthaltsgenehmigung können Menschen in Deutschland sich nicht versichern. Wenn dann doch mal wer krank wird, bedarf es erstmal einen Weg aufs Sozialamt, um einen Krankenschein abzuholen. Ohne diesen besteht kaum Möglichkeit auf ärztliche Behandlung. Dies beinhaltet keine Lösung bei aktuten Vorfällen an Wochenenden und Feiertagen, psychische Behandlungen werden von vornerein ausgeschlossen. 
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