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Das Asylbewerberheim im Meisterweg

Unter den etwa 1000 Besuchern des letzten Radar-Festivals befand sich auch eine kleine internationale Gruppe aus dem Lüneburger Asylbewerberheim Meisterweg. Wir hatten einen Shuttle-Service organisiert, damit die MigrantInnen unser Festival trotz des weiten Weges besuchen konnten. So kam der erste Kontakt zustande.
Das Lager im Meisterweg ist das einzige Asylbewerberheim in Lüneburg; gebaut wurde es vor nunmehr 12 Jahren. Offiziell trägt es den schönen Namen "Internationales Haus Meisterweg". Das Lager beherbergt etwa 100 Menschen verschiedenster Nationalitäten (davon etwa 60 Kinder). Ihr Aufenthalt in Deutschland ist vorerst begrenzt. Sie warten hier auf die Genehmigung ihres Antrages auf Asyl oder darauf, dass sie ihre Rückkehr in das eigene Heimatland antreten können, ohne sich dabei in Lebensgefahr zu begeben. Ihnen droht jedoch jederzeit die Abschiebung. Teilweise dauert dieser Zustand jahrelang an, ohne eine Perspektive auf Integration in die deutsche Gesellschaft.
Fährt man vom Bahnhof in östlicher Richtung stadtauswärts, kreuzt man irgendwann den Meisterweg. Biegt man in die Straße ein und folgt ihr eine Weile, tauchen auf der linken Seite aus dem Nichts zwei Wohncontainer auf. Das Gelände ist von einem hohen Stacheldrahtzaun umgeben, das Wachthäuschen am Eingang der Zauntore erweckt den Eindruck, verbotenes Gelände zu betreten.
Schnell wird klar, dass gesonderte Wohnbedingungen für die Bewohner dieser „Container“ gelten. Auf engstem Raum leben vielköpfige Familien. Die Kinder haben keine Spielzimmer, auf den langen dunklen Fluren wird Wäsche getrocknet. Drei Familien teilen sich eine spartanische Küchenzeile ohne Abzug, es wird in den Flur gelüftet. Dort ist es feucht und stickig und riecht nach Fäulnis. Badezimmer und WC müssen ebenfalls mit bis zu zehn anderen Menschen geteilt werden, die Farbe schält sich von den Wänden. In einigen Badezimmern gibt es keine Duschwannen, das Wasser läuft einfach in den Flur. Aufgrund des schlechten Zustandes der Container, die hauptsächlich aus Pressholz und Wellblechpappe bestehen, gibt es Ratten und Mäuse. Im Flur steht Rattengift auf dem Boden, in direkter Reichweite der Kinder.
Neben der katastrophalen Wohnsituation haben die Bewohner jedoch auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Ohne Aufenthaltsgenehmigung ist es fast unmöglich, Arbeit zu finden. Ohne Arbeitserlaubnis verbringen die Menschen ihren Alltag ohne jegliche Abwechslung und Austausch mit der Welt außerhalb des Heims. Monatelang, manchmal jahrelang. Die Möglichkeit, sich zu „integrieren“, wie so oft gefordert, besteht in Wirklichkeit kaum. Durch viele Sonderregelungen (z.B. das Gutscheinsystem) und Gesetze (z.B. Residenzpflicht) wird das Leben von MigrantInnen in Deutschland erschwert. Bei jedem Behördengang, bei jedem Einkauf, beim alltäglichen Leben im Asylbewerberheim – überall bekommen sie zu spüren, dass sie in Deutschland nicht willkommen sind und wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.
Manchmal sind chronische oder psychische Erkrankungen die Folge, häufig kommen hingegen Mut- und Perspektivlosigkeit vor. „Aus unseren Heimatländern sind wir geflohen, weil dort Krieg herrschte oder wir politische Probleme hatten – und hier in Deutschland fühlen wir uns genauso unterdrückt“, schrieb uns ein Bewohner des Meisterwegs. „Warum sollen wir Deutsch lernen?“, fragt eine Frau auf dem Radar-Festival im letzten Jahr. „Meine Duldung beträgt nur sechs Monate und ich kann jederzeit abgeschoben werden. Ich weiß ja gar nicht, ob ich in diesem Land jemals eine Zukunft haben werde“.
Die medizinische Versorgungslage ist denkbar schlecht. Ohne Aufenthaltsgenehmigung kann man in Deutschland nicht krankenversichert sein. Wenn im Meisterweg jemand erkrankt, muss diese Person beim Sozialamt einen Krankenschein abholen. Ohne den gibt es keine ärztliche Behandlung. Davon abgesehen, dass chronische und psychische Krankheiten wie oben genannt von diesem System gar nicht abgedeckt werden, stellt es laut Aussage der Bewohner schon bei „normalen“ Zahnschmerzen eine enorme Belastung dar, nur über Umwege einen Arzt aufsuchen zu können. 
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