Auf der Mensawiese untergraben Manfred Mc Kinsey und Ottfried Otto die Unabhängigkeit der Hochschule
Eine studentische Kunstaktion rückt ein brisantes Thema ins Blickfeld: den Einfluss von Unternehmen auf die Universität. Zahlreiche Maulwurfshügel erheben sich auf der Mensawiese, abgesperrt von Flatterband. "Vorsicht Einschurzgefahr!" ist dort zu lesen, "hier wühlen Manfred Mc Kinsey und Ottfried Otto".
Maulwurfshügel auf der Mensawiese
Manfred Mc Kinsey & Ottfried Otto
(c) Matthias Fabian - AStA Uni Lüneburg
Viele Studierende, aber auch MitarbeiterInnen bleiben verwurdert stehen und schauen sich die aufgestellte Hinweistafel an. Der Text ist im Folgenden nachzulesen:
Warum sehen wir den Maulwurf oeconomicus heute zum ersten Mal?
Nun ja, dieser etwas schüchterne und zurückgezogene Zeitgenosse agiert gerne im Dunkeln, unterirdisch und ohne großes Aufsehen. Dies nicht zuletzt, um unangenehmen Fragen nach seiner Existenz besser aus dem Weg gehen zu können! Offensichtlich ist diese Strategie bisher auch gut aufgegangen: Es gibt bisher keinerlei Diskussion um die Verstrickung von Universitäts- und Unternehmensinteressen – geschweige denn um die Folgen für einzelne Studiengänge und deren Inhalte. Dabei schreitet dieser Prozess gerade in Lüneburg mit großen Schritten voran.
Ø Ist denn der einstige Anspruch, dass Wissenschaft und Lehre frei von ihr äußeren Zwängen – darunter eindeutig auch ökonomische – sein sollte, tatsächlich überkommen, oder angesichts gegenwärtiger Entwicklungen aktueller denn je?
Ø Welche Interessen mögen seitens der Wirtschaft mit solch freundlicher Unterstützung wohl verbunden sein? Für reine Menschenliebe oder ein soziales Engagement in Bildungsfragen scheinen die Kosten zu hoch und der direkte Nutzen zu gering.
Ø Wie wohl fühlt man sich in einem Kreis von KommilitonInnen, bei dem es zunehmend häufiger schon im Studium selbst um die Vergabe von Stipendien geht? Was geschieht mit dem Freiraum, den eine Bildungsinstitution wie eine Universität bieten sollte?
Ø Ist denn die Hereinnahme von Unternehmen und deren Interessen in die Hochschulgestaltung (was kaum zu vermeiden scheint) nicht mit Kontrollmöglichkeiten verbunden, die das Hochschulwesen in seiner Entwicklung noch intransparenter und undemokratischer machen?
Ø Sollte nicht hingegen die Entscheidung über die Fortentwicklung und Ausrichtung der Universität selbst, ebenso wie die bestimmter Studiengänge, allein der Hochschule obliegen?
Ø Letztlich wird es wahrscheinlicher, dass die Universität, statt sich als ein (sich einen) selbstorganisierter Raum zu behaupten, sich zu einer allzu arbeitsmarktnahen Ausbildungsmaschinerie entwickelt, die einerseits zunehmend betriebliche Ausbildungen ersetzt, andererseits mit einem Wissenschaftsverständnis im eigentlichen Sinne nur noch wenig zu tun haben dürfte.
All dies sind grundsätzliche Überlegungen wie sie jeden Studierenden, gleich welcher Fachrichtung, betreffen.